Presseartikel zum G8-Infoabend am 5.4.04

"Schule wird künftig mehr Raum einnehmen"

Mit gemischten Gefühlen sehen Eltern und Lehrer den Neuerungen des G8, des auf acht Schuljahre verkürzten Gymnasiums, entgegen. Bei einer Informationsveranstaltung des Elternbeirats am Rupert-Neß-Gymnasium am Montag Abend wurden die Chancen, aber auch die Schwierigkeiten der Bildungsplanreform diskutiert.

Schulleiter Lothar Eibofner sieht im G8 gute Vorraussetzungen für eine Verbesserung der Lernkultur. Zwar müsse im G8 der Lernstoff der bisherigen Klassen 5 bis 7 auf nur zwei Schuljahre verteilt werden – was für die Fünft- und Sechstklässler Mehrarbeit und einen Nachmittagsunterricht pro Woche bedeute. Die Lerninhalte würden jedoch gestrafft und durch den breiten Einsatz moderner Lernmethoden werde das Lernen erleichtert. Die neu eingeführten, von jeder Schule frei verfügbaren „Poolstunden“ werden am RNG bis 2007 für verstärkten Englischunterricht verwendet und für zusätzliche Klassenlehrerstunden, die für soziale Themen zur Verfügung stehen.

Elternpositionen zum G8 präsentierte Helga Raible, Mitglied im Elternbeiratsvorstand und Leiterin des Elternarbeitskreises G 8, der in enger Zusammenarbeit mit Schulleitung und Lehrern die Umsetzung des G 8 am RNG begleitet. Ihre zentrale Frage: „Mehr Schule in weniger Zeit – kann das kindgerecht sein?“ Die Elternvertreter wären für eine Einführung des G 8 frühestens im Jahr 2007 gewesen, erklärte sie. Die Politik habe jedoch anders entschieden und nicht auf Einwände der Elternschaft reagiert. „Lamentieren hilft jetzt auch nicht“, meinte sie. Der Arbeitskreis G8 hätte vielmehr das Interesse, dass die Neuerungen möglichst verträglich umgesetzt würden. Chancen des G8 lägen in den neuen Lernformen und in dem erweiterten Kompetenzbegriff, der neben fachlichem auch methodisches, soziales und personales Lernen einschließe. Eine Neuordnung der Lerninhalte könne durchaus sinnvoll sein. An Tagen mit Nachmittagsunterricht sei aus Elternsicht ein Betreuungsangebot mit Mittagessen unverzichtbar, um zumindest den Fahrschülern unter den Fünftklässlern gerecht zu werden. In Elterninitiative wurde ein entsprechendes Konzept entwickelt.

Einen Einblick in die viel beschworenen „neuen Lernformen“ gaben die  Mathematiklehrer Michael Roth und Markus Strohhäcker. Viel „Neues“ sei gar nicht neu, meinten sie. Allerdings werde sich der Unterricht verstärkt vom Lehrer-zentrierten Frontalunterricht zum Schüler-zentrierten offenen Unterricht hinwenden. Hier gelte es in Zukunft, die „richtige Balance“ zu finden.

Christoph Felder, Beratungslehrer am RNG setzte kritische Akzente. Was die Stoffverdichtung für die Entwicklung und geistige Reife der Schüler bedeuten werde, könne man gegenwärtig nicht voraussagen. Andererseits würden die Kinder, die von ihrer Begabung her bisher am Gymnasium richtig waren, auch in Zukunft die Anforderungen gut meistern. Sein Fazit: „Das achtjährige Gymnasium wird nicht intelligentere Kinder erfordern; aber es wird einen breiteren, zentralen Raum im Leben der Schüler einnehmen.“ Gefordert werde bewussteres, verdichtetes Lernen – wobei das RNG die Schüler aber vermehrt unterstützen werde.

Die Stadt Wangen als Schulträger werde sich den neuen Entwicklungen nicht verschließen, so Ewald Schmidt, der am Stelle von Bürgermeister Mauch den Schulträger vertrat. Es gäbe konkrete Vorgespräche mit der Schulleitung über bauliche Erweiterungen, hauptsächlich für den naturwissenschaftlichen Unterricht und die Mittagsbetreuung. Unterstützung sagte Schmidt auch den Eltern zu, die sich für eine vorläufige Mittagsbetreuung im kommenden Schuljahr engagieren.