Bericht vom G8-Infoabend am 5.4.04

"Neue Anforderungen an Schüler, Lehrer und Eltern durch das Achtjährige Gymnasium"

Zu einer Informationsveranstaltung des Rupert-Neß-Gymnasiums konnte der Elternbeiratsvorsitzende Herr Thiede am letzten Montag (5.4.04)  130 interessierte Eltern und Grundschullehrer begrüßen. Auf dem Podium saßen Vertreter der Lehrer, der Stadt und der Eltern, um einen Überblick über die Veränderungen und Herausforderungen zu geben, die das auf acht Jahre verkürzte Gymnasium (G8) ab Herbst diesen Jahres den neuen Fünftklässlern des Rupert-Neß-Gymnasiums und ihren Lehrern und Eltern bringen wird.

Den Beginn der Kurzvorträge übernahm der Schullleiter Herr Eibofner  mit einem Überblick über die Neuerungen der Bildungsreform. Konkret bedeutet die Verkürzung der Gymnasialzeit, dass der Lernstoff der bisherigen Klasse 6 auf die bisherigen Klassen 5 und 7 verteilt wird. Dies bedeutet Mehrarbeit und bereits in Klasse 5 und 6 einen Nachmittagsunterricht pro Woche. Dennoch sieht Herr Eibofner gute Vorraussetzungen für eine Verbesserung der Lernkultur: die Lerninhalte werden gestrafft, durch den breiten Einsatz moderner Lernmethoden wird das Lernen erleichtert. Die Ganztagsanwesenheit einmal pro Woche in der Schule wird durch einen Mittagstisch, Arbeitsgurppen-, Betreuungs- und Spielangebote ein neues Kommunikationszentrum für die Schüler bilden. Die neu eingeführten, frei verfügbaren „Poolstunden“ werden bis 2007 für den Englischunterricht verwendet und für unterrichtsfreie Klassenlehrerstunden, in denen sich die Klassenlehrer um die soziale Situation in der Klasse kümmern können

Daran schloss sich das engagierte und anschauliche Meinungsbild der Elternvertreterin Frau Raible an. Frau Raible ist Mitglied im Elternbeiratsvorstand und Leiterin des Arbeitskreises zum G 8, der in enger Zusammenarbeit mit Schulleitung und Lehrern die Umsetzung des G 8 im Interesse der Eltern begleitet. Ihre zentrale Frage war: „Mehr Schule in weniger Zeit – kann das kindgerecht sein?“ Sie erläuterte die Befürchtungen der Eltern. „Wir wären für eine Einführung des G 8 im Jahre 2007 gewesen“, erklärte sie, „aber uns hat niemand gefragt. Und Lamentieren hilft jetzt auch nichts.“ Die Eltern hätten beim näheren Erarbeiten des G 8 auch Vorteile und Chancen entdeckt: die neuen Lernformen werden die Kompetenzen der Kinder erweitern (team-, projektorientiertes, fächerübergreifendes Lernen); die Bildungsstandards ordnen die Lerninhalte neu und sinnvoll; der Mittagsaufenthalt in der Schule bietet neue Kontaktmöglichkeiten; bessere Berufschancen durch die verkürzte Schulzeit; frühere, aber dem jungen Erwachsenenalter angemessene Entlassung in die Berufswelt.

Im Anschluss gaben die Mathematiklehrer Herr Roth und Herr Strohhäcker einen konkreten Einblick, wie der Mathematikunterricht in Zukunft aussehen soll. Viel „Neues“ sei gar nicht neu, betonten sie. Nun werde sich auch der Mathematikunterricht verstärkt vom Lehrer-zentrierten Frontalunterricht zum Schüler-zentrierten offenen Unterricht hinwenden. Hier gelte es in Zukunft, die „richtige Balance“ zu finden.

Nach diesem durchaus positiv stimmenden Ausblick setzte der Beratungslehrer des Rupert-Neß-Gymnasiums,  Herr Felder, kritische Akzente aus seiner bisherigen Beratungserfahrung. Was die Stoffverdichtung für die Entwicklung und geistige Reife der Schüler bedeuten werde, könne man gegenwärtig nicht voraussagen. Andererseits würden die Kinder, die von ihrer Begabung her bisher am Gymnasium richtig waren, auch in Zukunft die Anforderungen gut meistern.  Einen wichtigen Stellenwert räumte er der Lesekompetenz bereits in Klasse 5 ein. Die Schule wird vermehrt Unterstützungsmaßnahmen anbieten. Das Fazit von Herrn Felder: „Das achtjährige Gymnasium wird nicht intelligentere Kinder erfordern; aber es wird einen breiteren, zentralen Raum im Leben der Schüler einnehmen.“ Bewussteres, verdichtetes Lernen wird gefordert werden.

Zum Abschluss der Expertenrunde erläuterte Herr Schmidt in Vertretung von Herrn Bürgermeister Mauch die Haltung der Stadt als Schulträger zum G8. Konkret zum G8 laufen Vorgespräche mit der Schulleitung über bauliche Maßnahmen. Im Bereich des naturwissenschaftlichen Unterrichtes und im Bereich der Mittagsbetreuung gibt es zusätzlichen Raumbedarf. Parallel hierzu läuft die Planung mit Elternvertretern, die die übergangsweise Übernahme des Mittagstisches und der Mittagsbetreuung für die nächsten Fünftklässler organisieren.  Herr Schmidt musste darauf verweisen, dass die Stadt ihre Mittel für das Gymnasium nicht wesentlich aufstocken könne. Die Stadt sehe sich aber für die Baumaßnahmen und die Mittagsbetreuung in der Pflicht und hoffe auf ein gutes Konzept und eine gute Zusammenarbeit mit Schulleitung und Elternvertretern.

An diese informativen Kurzvorträge schloss sich eine engagierte Diskussionsrunde mit vielen kritischen Fragen und erfreulich ehrlichen Antworten an. Herr Thiede schloss die Veranstaltung mit einem Dank an die Schulleitung und alle Podiumsteilnehmer und zog das Resüme, dass der Abend ein realistisches Bild der gegenwärtigen Situation gezeigt und damit seinen Zweck erfüllt habe. Viele Eltern blieben noch zu angeregten Gesprächen im kleinen Kreis. Alle Teilnehmer äußerten sich anerkennend über das gute, ausschließlich sachbezogene Niveau der Referate und der Diskussion.