Bericht vom Vortrag Dr. Christian Peter Dogs am 20. Oktober 2004

Mit Gefühlen leben lernen

Die seelische Gesundheit von Kindern war Thema eines Vortrags im Rupert-Neß-Gymnasium, zu dem der Elternbeirat am 20. Oktober eingeladen hatte. Dr. Peter Christian Dogs, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Leiter der Panorama-Fachkliniken Scheidegg, sprach vor rund 120 Zuhörern über Gefühle und ihre Bedeutung für die gesunde Entwicklung.

„Eltern bringen ihren Kindern bei, was sie selbst gelernt haben“, begann Dogs. Das seien Werte wie Selbstbeherrschung, Anpassung und Pflichtbewusstsein. Die Wahrnehmungsfähigkeit für ihre eigentlichen Gefühle hätten viele Menschen bis zum Erwachsenenalter längst verloren.

„Das aber kostet Substanz“, sagt der Psychiater. „Gefühle, die nicht gelebt, sondern heruntergeschluckt werden, Erhöhen die innere Drehzahl – und führen schließlich zum Ausgebrannt-Sein.“

Wut, Angst und Trauer – Dogs beschrieb drei Bespiele für unerwünschte Gefühle, deren Vermeidung seelisch krank machen kann. Humorvoll und angereichert mit zahlreichen Alltagsbeispielen veranschaulichte er gängige Reaktionsmuster: Eheleute verbergen ihre Wut und Enttäuschung hinter „alltäglichen Kleinkriegen“ oder hinter tagelangem Schweigen. Manager, die keine Angst zeigen dürfen, werden krank, weil „Krankheit der einzig legale Weg ist, aus der Angst auszusteigen“.

Fazit für die Erziehung: Kinder müssen ihre Gefühle wahrnehmen dürfen und lernen, sie zu formulieren. „Wenn Ihre Kinder traurig sind, lassen Sie sie weinen“, so Dogs. „Aber stehen Sie ihnen in ihrer Trauer bei.“ Traurigkeit sei keine Krankheit, sondern eine normale Reaktion. „Wenn Ihre Kinder aus Angst bestimmten Situationen ausweichen, lassen Sie sie ausweichen. Aber führen Sie sie immer wieder an diese Situationen heran, statt sie zu vermeiden.“ Angst müsse erlebt werden, um sie zu überwinden.

Am wichtigsten dabei: Das Vorbild der Erwachsenen – Eltern ebenso wie Lehrer. „Zeigen Sie den Kindern, dass Sie selbst über Ihre Gefühle sprechen können!“, so der Appell des Psychiaters. Kinder müssten auch erleben dürfen, dass Erwachsene sich streiten und wieder vertragen. „Kinder möchten von ihren Eltern lernen, Konflikte zu klären“.