Vortrag für Eltern und Lehrer

Pubertierende brauchen Klarheit und Liebe

Sie brauchen Stunden im Bad, lehnen gemeinsame Mahlzeiten ab, verwandeln ihr Zimmer in eine Höhle, stürzen von einem Moment auf den anderen von enormer Begeisterung in tiefste Verzweiflung: Jugendliche in der Pubertät sind für die Erwachsenen um sie herum oftmals rätselhaft. Erklärungen erhofften sich rund 120 Eltern, die am 18. Oktober auf Einladung des Elternbeirats zu einem Vortrag des Erziehungsprofis Manfred Faden gekommen waren.

Präsentiert wurde ihnen ein reichhaltiger Mix aus Informationen, Erfahrungsberichten und Verhaltenstipps. Manfred Faden, Hauptschullehrer, pädagogischer Berater und Betreuer von Jugendlichen in schwierigen Lebenssituationen, weckte Verständnis für die Heranwachsenden und überzeugte gleichzeitig von der Notwendigkeit klarer Leitlinien und deutlicher Grenzen. Klarheit und Gerechtigkeit, Einfühlungsvermögen und Liebe kennzeichnen seine Erziehungshaltung: „Jugendliche brauchen einen liebevollen Leitwolf.“

„Jugendliche in der Pubertät haben ungeheuer viel zu leisten“, so der Pädagoge. Die körperlichen Veränderungen seien enorm und oftmals so rasant, dass die Jugendlichen förmlich selbst nicht mehr „auf dem Laufenden seien“ – zumal auch das Gehirn in dieser Zeit grundlegend umgebaut werde. Letzteres sei der Grund für die – für Erwachsende manchmal entnervende – Langsamkeit im Denken. „Entscheidende Verbindungen zwischen den Hirnregionen werden in dieser Zeit geknüpft“, so Faden. Allerdings lerne das Gehirn wesentliche Dinge wie Selbstständigkeit oder Urteilsvermögen nur aus konkreten Erfahrungen – in kleinen Schritten und mit vielen Wiederholungen. „Hindern Sie Ihr Kind nicht, solche Erfahrungen zu machen“, lautete sein Appell. Denn: „Wer jetzt nicht lernen kann, selbstständig zu handeln, lernt es tatsächlich nicht mehr oder zumindest nur sehr viel schwerer!“

Als wesentliche Entwicklungsthemen der Pubertät bezeichnete er die Suche nach der eigenen Identität, den richtigen Freunden – und oft auch nach dem Sinn des Lebens. „Jugendliche sind sehr sensibel für die Gefahren und Probleme auf der Erde und entwickeln manchmal heftige Zukunftsängste.“ Ihr Selbstwertgefühl sei in dieser Zeit sehr instabil und leicht zu verunsichern. „Respektieren Sie die Intimsphäre Ihrer Kinder, vermeiden Sie abwertende Äußerungen und vor allem Zynismus. Der trifft direkt ins Herz!“
Auch zur Wahl der Freunde – die Eltern oftmals nicht gutheißen – gab es Verhaltenstipps. „Sagen Sie ihre Meinung“ meinte der Pädagoge, „aber seien Sie vorsichtig mit Verboten.“ Konfrontation helfe in diesen Fällen nicht, vielmehr sollten Eltern ihren Kindern Impulse geben, die sie zu eigenen Entscheidungen anstoßen.“

Brauchen Pubertierende also eine Schutzzone? Im alltäglichen Umgang keineswegs, meint Faden. „Fordern Sie Ihre Kinder, verlangen Sie etwas von ihnen. Pubertierende wollen sich bewähren.“ Mithilfe im Haushalt müsse so selbstverständlich sein wie der Ausgleich von Schäden oder die Beteiligung an Konsumgütern. „Wer nur Markenkleidung tragen will, kann dazu durchaus selbst Geld beisteuern.“ Auch im täglichen Umgangston müssten Jugendliche klare Grenzen einhalten. „Jugendliche dürfen diskutieren, müssen verhandeln lernen – aber sie dürfen nicht unverschämt auftreten.“
Der Wunsch nach Autonomie und Ablösung nehme in der Pubertät oft rebellische Formen an. Umso wichtiger sei es, dass Eltern (ebenso wie Lehrer) bei Grenzverletzungen standhaft bleiben. „Pubertierende brauchen Reibungsfläche, um reif zu werden – wenn Eltern in Konfliktsituationen zurückweichen, ist es schade ums Kind!“ Die Heranwachsenden müssten lernen, die Ordnung in der Familie zu respektieren. Eine wichtige Rolle komme hierbei dem Vater als Leitfigur zu. Keinesfalls dürften sich Eltern aus Angst vor Zurückweisung oder aus Schuldgefühlen heraus in eine „dienende Rolle“ zwingen lassen oder sich als Kumpel ihrer Kinder verstehen.