Peter Stamm liest "Agnes"


Wenn man sie die aktuellen Abitursternchenthema in Deutsch anschaut, so stellt man überrascht fest, dass nicht alle dort behandelten Autoren bereits seit langem tot sind, sondern es auch ein aktueller Schriftsteller in die Lektürenauswahl geschafft hat. Wenn man dann noch die Hartnäckigkeit besitzt, diesen den Schülerinnen und Schülern des RNG´s persönlich bekannt zu machen, dann schafft man es, dass er zu einer Lesung in die Stadthalle kommt. 
Wobei, eines sei vorweg gleich festgehalten, das Vorlesen war toll, aber ganz ehrlich, lesen kann das Buch jeder selber. Viel wichtiger waren die Fragen der Schülerinnen und Schüler an den Autor, der diese stets locker und mit einer spürbaren Überzeugung im Hinblick auf seine Arbeit, beantwortete.


Auf die Frage, wie denn sein Alltag als freischaffender Schriftsteller aussehe, erfuhren die Zuhörer, dass er zwar täglich morgens vier bis fünf Stunden konsequent schreibe, dass er darüber hinaus aber viel Bürokratie, viel Organisatorisches zu bewältigen habe - nicht zu vergessen die Zeit, die er für Recherchen in Bezug auf ein zu schreibendes Werk aufwende.

Natürlich wollten die Schüler vom Autor wissen, wie er auf seine Themen komme, woher er seine Ideen habe. Dazu sagte Stamm, dass ihn grundsätzlich fast alles interessiere, dass die Idee zu einem Werk ihm aus den Fragen komme, die ihn selbst interessieren und bewegen. Diese Fragen seien es auch, die er schreibend in einem Werk für sich zu beantworten versuche. Nicht immer gelinge das auf Anhieb, an manchen Werken arbeite er jahrelang - so auch an seinem Roman "Agnes", an dem er 15 Jahre arbeitete.

"Richtige" Interpretationen kann es nicht geben

Themen, die Peter Stamm in "Agnes" verarbeitet hat, sind seiner Aussage zufolge Beziehungsgeschichten zwischen Paaren, auch das Verhältnis von Realität und Fiktion zueinander. Eine Interpretation, so Peter Stamm, sei immer etwas sehr Persönliches und entstehe aus der Auseinandersetzung mit den Inhalten eines Werkes. Eine "richtige" oder allgemein gültige Interpretation könne es demnach nicht geben, sie müsse nur wahrscheinlich und nachvollziebar sein.

Die konkret gestellte Frage "Ist Agnes tot?", die auf das Schicksal der Titelfigur am Ende des Romans abzielte, konnte und wollte der Autor deshalb auch nicht eindeutig beantworten. Sie bleibt offen wie manch andere Fragen im Roman auch. Und genau diese Offenheit der Interpretation und der Spielraum, der jedem Leser bleibt, macht dieses Werk interessant und könnte - so Peter Stamm - ein Aspekt gewesen sein, warum gerade sein Roman als Schul- beziehungsweise als Abiturlektüre ausgewählt worden ist. Eine Tatsache, die ihn übrigens freue.

Wir haben uns über seine Lesung gefreut - dass er da war zeigt, dass sich auch Autoren Zeit nehmen um mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen. Wer weiß, vielleicht wird ja sein nächster Roman eine Schülergeschichte ...

Moderiert wurde die Lesung von Matteo Ohlinger und Nicolas Röhrle aus der J1, für die Technik waren Lorenz Kolb und Sebastian Boll aus der 9a zuständig.

Danke an der Stelle dem Förderverein und an Frau Schubkegel, die gemeinsam diese Veranstaltung erst möglich gemacht haben.