Momo las Momo


Es war eine ganz besondere Begegnung. Radost Bokel, die 1985 im Film "Momo" die Titelrolle spielte, war mit ihrem Schauspielerkollegen Jean-Marc Birkholz zu Gast in Wangen. Eingeladen hatte die rng-mediathek gemeinsam mit dem Förderverein. Hundert Zuschauer waren's, die sich von den beiden entführen und verzaubern ließen. Im Anschluss zeigten sich Bokel und Birkholz als Stars zum Anfassen.

Die Schwäbische Zeitung schreibt:

Die Idee, aus Roman und Film von Michael Endes „Momo“ eine Lesung zu machen, stammt von den Schauspielern Radost Bokel und Jean-Marc Birkholz aus Leipzig. Sie gastierten am Sonntagabend mit „Momo liest Momo“ auf Einladung des Fördervereins des Rupert-Neß-Gymnasiums (RNG) in der Stadthalle. Radost Bokel hat 1986 im Film Momo spielte. Von dem Lockenkopf ist nichts mehr zu sehen, aber die großen Kulleraugen sind noch da.

Auf eine Anzeige in der Bild-Zeitung reagierte 1985 die Mutter der damals zehnjährigen Bokel. „Der unendliche Ende sucht Momo“, hieß es da. Diesem Aufruf folgte das kleine Mädchen und wurde prompt zum Casting eingeladen. Tausende hatte der kritische Ende bis dahin abgelehnt.

Doch als er Bokel mit ihren Kulleraugen sah, stand fest: „Das ist sie.“ Ende soll sehr zufrieden gewesen sein mit der Verfilmung, die in Rom in der Cinecittà ablief. Dass Birkholz und Bokel sich begegnet sind, hat weniger mit Momo zu tun, sondern mehr mit Karl May. Birkholz ist seit drei Jahren bei den Festspielen im Sauerland der „Winnetou“ und Bokel seine Schwester „Nscho-tschi“.

Zeit haben als aktuelles Thema

Dass beide mit der Momo-Lesung nach Wangen kamen, ist der Initiative von Heidi Schubkegel, die für die Mediathek des RNG verantwortlich ist, und Thomas Ullmayer vom RNG-Förderverein zu verdanken. Ein Highlight wollten sie zum Schuljahresbeginn Schülern und Eltern bieten und zugleich auch ein Thema, das aktueller denn je sei. Das Thema Zeit, die den Menschen in Endes Roman von den Grauen Herren gestohlen wird.

Schneller arbeiten und alles Übrige wie schöne Hobbies, Freunde und die Liebe weglassen, brüllte Birkholz in der Rolle eines dieser Zeit-Diebe den völlig verschreckten Friseur Herrn Fusi an. Diesen gilt es als neues Mitglied in der großen Gemeinde der Zeitsparer zu gewinnen.

Nur, dass alles noch so angestrengte Sparen des teuren Guts zu nichts führte. Außer, dass das Leben immer ärmer, kälter und gleichförmiger wurde. Gipfelnd in tödlicher Langeweile. Bokel und Birkholz rezitierten dialogartig und dem roten Faden folgend gut ausgewählte Passagen des Märchen-Romans, was das Zuhören spannend machte.

100 Besucher verfolgen die Lesung

Rund 100 Besucher nahmen sich am Sonntagabend die Zeit, der Lesung zu folgen. Vor zwei Wochen, so Birkholz, seien sie mit „Momo“ in einer Stadt gewesen, wo die meisten mit ihren Handys beschäftigt waren. Das habe sie sehr frustriert.

Ob Bokel heute noch an ihre Momo-Rolle denke, kam als Frage aus dem Publikum. Wenig, doch sie fühle sich sehr ähnlich wie die freiheitsliebende Momo. Und zurückgefragt an die Kinder unter den Besuchern, was die Moral von der Geschichte sei mit Blick auf ein Heute, kam prompt als Antwort: „Es ist so, dass man sich für alles Zeit nehmen und sie sich nicht stehlen lassen sollte.“