Gesang quer durch den Speiseplan

 
Es werden wohl an die 180 Sängerinnen und Sänger aller Altersstufen gewesen sein, die am Samstagabend in einer vollbesetzten Stadthalle „Musikalisch-Kulinarisches & More“ servierten. Die Stimmung stieg im Laufe des Konzerts bis zum Siedepunkt. Dabei waren drei Chöre (Unterstufen- und Mittel-/Oberstufen-Chor des Ruppert-Neß-Gymnasiums und der De-Chor), drei Solisten (Tanja Ladenburger, Brigitte Görz, Frederik Braunmiller), ein variables Begleitset aus Schlagzeug, Gitarren, Klavier und/oder Background-Einspielung sowie ein Dirigent, der das Ganze zusammenführte: Bernhard Ladenburger.
 
Drei Chöre unter der Leitung von Bernhard Ladenburger sangen am Samstag in der Stadthalle.(Foto: Julian Frey)
 
Gemeinsam und einzeln gestalteten die Chöre eine reichhaltige Speisekarte aus aktuellen Titeln, Hits der 80er- und 90er-Jahre plus allerhand Musik, die mit Essen in allen Facetten zu tun hatte. Der De-Chor glänzte mit anspruchsvollen Jazz-Arrangements. „Döner Chicken“ von Anders Edenroth war sprachlich rasant und harmonisch sowie rhythmisch verzwickt. „Esst mehr Insekten“ von Oliver Gies legte mehr Wert auf die launische Schilderung der korrekten Zubereitung der zukünftigen Eiweißquellen und swingte locker.

„Aber bitte mit Sahne“

Der Unterstufen-Chor stellte in zwei Kanons die unterschiedlichen Ernährungsweisen musikalisch präzise nebeneinander: „Mango, Kiwi, Ananas“ und „Gourmet“ – und zwar ein Junk-Food-Gourmet, der alles mit Begeisterung in sich hineinstopft, was als ungesund gilt. Zusammen mit dem De-Chor sang der Unterstufen-Chor ein gut gelauntes, funkensprühendes „Aber bitte mit Sahne“ von Udo Jürgens. Der Mittel-/Oberstufenchor schließlich führte die Zuhörer mit „Summer in the City“ in ein erfrischend kühles und anregendes städtisches Nachtleben.
 
Drumherum waren Pop-Songs und Gospels ansprechend arrangiert, die die drei Chöre gemeinsam sangen. „September“ von Earth, Wind & Fire, „You make me feel like dancing” oder „La Isla Bonita” von Madonna ließen in druckvollen Arrangements bei manchem Zuhörer wohl Erinnerungen an die eigene Jugend wach werden – mitreißend gesungen besaßen sie jugendlichen Schwung. Gänsehaut-Feeling dagegen versprach „The day after tomorrow“, ein Titel aus den 70er-Jahren, den die Band „Saybia“ die vergangenen Jahre wieder populär gemacht hat, und bei dem die Männerstimmen sonor in unerwiderter Liebe baden können.
 
Für die Tontechnik war Frank Erhardt verantwortlich. Umfangreicher Technikeinsatz mag bei der großen Zahl der Sänger verwundern. Es gilt aber die Faustregel, dass klanglich gutes Ausgangsmaterial von Technikeinsatz profitiert, bei schlechtem dagegen treten die Schwächen nur umso deutlicher zutage. Das Ergebnis der Abmischung spricht sehr deutlich für die Qualität, mit der die drei Chöre singen – eine Qualität, für die Bernhard Ladenburger gesorgt hat.
 
Er ist übrigens ein Dirigent, der seine drei Chöre vom Klavier aus leitet – mit Augen, mit der Mimik und dem Klavierklang selbst, was ganz vorzüglich funktioniert. Ganz nebenbei ist er auch ein ausgezeichneter Pianist, was er mit einem ausgedehnten Solo am Schluss des Spirituals „He is always close to you“ unter Beweis stellte.

Zugaben sind Pflicht

„Some nights“ der Band Fun beendete das Konzert mit einer kraftvollen Demonstration disziplinierten Chorklangs, der sich geschmeidig an Solisten, aber auch den Moderationsabspann anpasste. Zugaben waren hier Pflicht: Zunächst rockte „Eye of the Tiger“ durch den Saal, und dann sorgte „Good night sweetheart, it’s time to go“ für eine gemütlich swingende Abkühlung. Es war Zeit zu gehen. Man wird aber gerne wiederkommen. (Bericht SZ Johannes Rahn)